Grosses Kino auf dem Indiomarkt
Posted by Heiko & Romy Mon, 06 Mar 2006 23:22:00 GMT
Riding the train in Riobamba
Guten Tag allerseits!
Unser Bericht endete und beginnt in Riobamba, wollten wir doch noch die ultimative Attraktion erleben und auf dem Dach eines Dieselwagens auf der so beworbenen “gefaehrlichsten Zugstrecke der Welt” durch die Anden gondeln. Die Sicht war schlecht, es war kalt und die ganze Aktion empfanden wir als nicht so gigantisch wie es die Reisefuehrer tun. Highlight des Tages: Morocho (warme Milch mit Mais, Zimt, … + mit Banane gefuellte Empanada)und die Rueckfahrt, als vom Dach des Zuges ins Innere gewechselt werden konnte ;-) Nach einem weiteren unfreiwilligen Tag in Riobamba wegen eines erneuten Streiks aller Busfahrer in den Provinzen, die sich mal wieder von Vater Staat benachteiligt fuehlten, gelangten wir schliesslich und endlich nach Guaranda von wo es nach einigen Schwierigkeiten, den Abfahrort des Busses herauszufinden (8 Leute gaben 8 verschiedene Auskuenfte und wir rannten mit vollem Gepaeck durch die ganze Stadt vorbei an Leuten, die nicht mit uns reden wollten und einigen netten hilfsbereiten Exemplaren der Gattung Bergbewohner)nach Salinas ging. Die Fahrt fuehrte uns vorbei am Chimborazzo, der sich ohne Wolken in voller Pracht praesentierte, an Llamaherden und verrueckten Gebilden die Wind und Wetter aus dem Sandstein herausgearbeitet hatten. Leider warf uns der Busfahrer dann nicht in Salinas sondern an der Kreuzung NACH Salinas raus und wir traten die restlichen, laut Schild, 5,5km Weg zu Fuss an. Und das bei nicht gerade angenehmen Temperaturen von ca. 7 Grad und leichtem Nieselregen und ausserdem mit vollem Gepaeck welches durch diverse Einkaeufe der letzten Zeit nicht unbedingt leichter geworden war… Naja, wir also los im Tigermarsch die matschige Strasse entlang und vergebens versuchten wir den ersten vorbeifahrenden Pickup anzuhalten. “Nur fuer Indios!” schien der Fahrer zu sagen… Aber der zweite war so nett auch uns mitzunehmen und es ging in rasender Fahrt die “Strasse” hinunter - unsere ecuadorianischen Leidensgenossen auf der Ladeflaeche bekreuzigten sich am laufenden Band was uns ein mulmiges Gefuehl in der Magengegend verschaffte!
In Salinas wird gerade erfolgreich Sozialismus geuebt - mit finanzieller Unterstuetzung aus der Schweiz. Kaese- & Schokoladenproduktion sorgen fuer gutes Klima im Dorf. Was gabs noch? Wandern und Berge anschauen … Das wars und so machten wir uns nach ner kalten Nacht im Hostal wieder auf den Weg, diesmal aber mit einem Bus, der direkt aus dem Ort abfuhr!
Saquisilí und der dortige Indiomarkt war das naechste Ziel der Reise. Entgeistert standen wir auf dem Tiermarkt zwischen Schweinen, Llamas, Kuehen, Schafen und was man sonst noch so essen oder scheren kann und schauten dem Handeln und Treiben der Indios zu! Ab und an wurde dann ein kreischendes Ferkel oder anderes Tier gegen seinen Willen von seinem neuen Besitzer am Strick die Strasse entlang gezerrt oder auch getragen wenn es gar nicht anders ging. Nach einem kurzen Anflug von Souvenir-Kaufrausch machten wir uns in einem total ueberfuellten Bus auf nach Chugchilán. Auf dem Dach ein Schaf neben der neuen Matratze fuers Bett und im Bus Saecke voll mit Getreide, Huehnern, Meerschweinchen,… einfach alles juckelte und zuckelte die schlechte Strasse den Berg hinauf und mitten drin wir beide mit Gepaeck in eine Ecke des Busses gequetscht - fuer ca. 4 Stunden!! Chugchilán war klein … und kalt weil hoch in den Bergen! Und dann gabs da … aehm … Stille. Wie angenehm! Bei einem Abendessen vorm Kamin im Hostal wurden wir von Oma Hilda aufgeklaert, dass es nur einen morgendlichen 6.00 Uhr Bus zur Quilotoa Lagune gibt. Naja, also noch vor den Huehnern aus den Federn gekrochen um festzustellen, dass 1. der Bus nicht dahin fuhr, wo wir hinwollten und 2. der Bus zur Lagune schon 4.30 Uhr fuhr … Also einen zufaellig abfahrenden Lastwagenfahrer gefragt, ob er uns mitnehmen kann. Tat er - im Laderaum auf Saecken sitzend … der Fahrer bemerkte die Flecken am Hinterteil unserer Hosen, schaute in seine Saecke und sah die leicht zermatschten Baumtomaten. Ein Spass, der uns zwei Dollar extra kostete.
Die Ankunft am Vulkankrater von Quilotoa in ca. 4.000 Hoehenmetern war aber alle Muehe des Weges beim unvergleichlichen Anblick der blauen Lagune vergessen! Unsere Fotos sind natuerlich viel schoener, als das, was wir als Ersatz fuer euch aus dem Netz geladen haben… Aber ohne digicam ist nicht mehr zu machen!
Die Wanderung von 22km zurueck von der Lagune ins Hostal gestaltete sich wegen der Hoehe und meiner Erkaeltung eher schwierig und Herr Schulz konnte des Oefteren wartend am Wegesrand bzw. mit Bergindiokids spielend gesehen werden, waehrend seine bessere Haelfte noch keuchend den Berg hochkraxelte - ick bin halt kein Llama und funktioniere besser auf Meeresspiegellevel als im Hochgebirge!!!
Die Erkaeltung, welche auf die Aktivitaeten und Temperaturen der vorherigen Tage unweigerlich folgen musste, haben wir in Latacunga in einem Hostal mit Kabel-TV auskuriert. In diesem Nest gab es nur Verrueckte … staendig musste man und vorallem Frau aufpassen, nicht von Wasserbomben getroffen zu werden, die von allen Seiten flogen. Der Herr absolvierte erfolgreich die Umschulung zum Krankenpfleger, damit es dann wieder einigermassen munter nach Otavalo gehen konnte. Dort konnten wir ungestoert fuer einige Tage dem Kaufrausch froehnen, denn dort gibt es einfach alles, was man irgendwie aus Baumwolle oder Llama/Alpaca herstellen kann und noch vieles mehr. Als das Geld alle war, ging es weiter in den Norden nach El Angel.
Dies sollte die letzte und auch beeindruckendste Station in den Anden werden. Wir hatten uns ein relativ unbekanntes und eher selten besuchtes Naturreservat herausgesucht. Nach 45min Taxifahrt den Berg hinauf sahen wir dann die ersten frailejones gigantes auftauchen. Pflanzen, welche so scheinbar gar nicht in die Gegend passen und den Eindruck vermitteln, man befaende sich auf nem anderen Planeten! Staunend stiegen wir aus dem Taxi und begannen einen eher surrealen Spaziergang durch den Nationalpark. Vorbei an einer Lagune, welche 5 Minuten spaeter schon in dichtem Nebel versunken war und immer wieder diese Pflanzen, die uebrigens mit Gaensebluemchen verwandt sind - mit dem kleinen Unterschied, dass sie bis zu 7 Meter hoch werden koennen!!! Nicht sehr Gaensebluemchen-like ;-) Immernoch voellig beeindruckt trafen wir dann Stunden spaeter wiedermal in Quito ein. Bis morgen sind wir noch hier, dann wird nochmal ein Versuch gestartet, den Cotopaxi ohne Wolken zu fotografieren und dann gehts nach Mindo zum Voegel gucken und dann an den STRAAAAND um die letzten Tage relaxt ausklingen zu lassen! Tja, und dann wars das schon mit den 6 Monaten - Wahnsinn!!!
Wir gruessen Euch alle ganz lieb und freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen,
Romy & Heiko
PS: Bilder unserer Raftingtour findet Ihr am Ende der Fotosession. Danke an Efrat aus Tel-Aviv!

na dann kommt ihr ja rechtzeitig zur begrüssung des neuen erdenbürgers…. noch iss er drinne und wartet auf wärmeres wetter.. also bis dann, wann seid ihr in berlin?
mann, das waren jetzt sechs monate? euer speed beim erzaehlen hat zugenommen, wirkt als wenn ihr selber schon der heimat entgegenfliegt. war toll euch zu begleiten. Karte ist angekommen - thanks! (-: wuensch euch noch ne schoene zeit am strand. bin uebrigens um den 30. april in berlin… falls ihr lust habt auf’n treffen sagt bescheid.