Jungle X-treme!

Posted by Romy & Heiko Fri, 17 Feb 2006 18:43:00 GMT

Cooking yucca
Cooking yucca

Nach aufregenden Wochen im Oriente hier mal wieder ein Lagebericht, diesmal aus den sonnigen Bergen Riobambas mit Blick auf den Chimborazo (6.310 m), den Altar (5.320 m) & den rauchenden Tungurahua (5.023 m).

Nach unserem ersten Ausflug in den Regenwald konnten wir gar nicht schnell genug wieder die feucht-heisse Luft auf unserer Haut spueren und machten uns ziemlich schnell auf nach Tena, das sogenannte “Tor zum Oriente”. Von dort aus ging es mit Guide in die Tiefen des primaeren Regenwaldes, ueber Stock und Stein, durch kleine Fluesse (zum Glueck gehoeren Gummistiefel hier zur taeglichen Bekleidung), vorbei an Urwaldriesen, Lianen, Schlangen, crazy Insekten und allerlei anderem nicht weiter definierbaren Getier. Nach der Nachtwanderung durch den Wald mit seinen im Dunkeln leuchtenden Pilzen und in den Baeumen herumkichernden Affen dann die Uebernachtung in der Dschungellodge und Einschlafen zu den Symphonie des Waldes.

Ein wenig Touri-Abenteuer haben wir uns dann auch noch gegoennt: Rafting und einen Tag extreme Cañoning und Caving. Rafting duerfte allen von euch ein Begriff sein: vier Leute in einem Boot den rauschenden Fluss hinunter und nur einer hat Ahnung, wie man so richtig die Richtung haelt ;-). War superlustig, aber auch ganz schoen anstrengend, die Paddelei… Mit uns im Boot eine ehemalige Konzertpianistin aus Israel auf dem ersten Urlaub, in dem sie nicht auf ihre Finger aufpassen musste. Man trifft schon ne Menge Leute unterwegs! Cañoning ist das halsbrecherische Klettern durch einen Cañon/Wasserfall ohne Helm oder Schwimmweste und nur an einigen Stellen mit Seil… Manchmal fragten wir uns echt, ob unser Guide es ernst meint und wir DA jetzt wirklich durch sollen! Aber am Ende, nachdem wir es geschafft und uns beim Essen in der Sonne gewaermt hatten, waren wir doch stolz auf uns! Auf unsere unglaeubige Frage, ob sie das mit allen Touris machen wuerden, meinte unser Guide nur grinsend, dass sie den dicken deutschen Touristen nur den Wasserfal zeigen und dann wieder zurueckwandern - aha, fuer uns gabs also die EXXXtratour! Danach kam dann noch das klettern/schwimmen/krauchen durch eine riesige Hoehle (Caving) wobei leider die Digicam in Mitleidenschaft gezogen wurde… Jetzt, nachdem sie wieder trocken ist, macht sie nur noch im Dunkeln einigermassen brauchbare Bilder und das blog wird daher etwas weniger bunt… Aber sowas muss man sich manchmal antun um danach das gute Gefuehl geniessen zu koennen, da wieder lebend rausgekommen zu sein ;-) Andere Sachen dagegen, muss man einfach nicht gemacht haben:

Fuer extrem viel Geld werden immer wieder Touren zu den Huorani Indianern angeboten, welche noch immer groesstenteils nackt herumlaufen und in den entlegensten Waldregionen leben. Leider erinnern diese Touren oftmals mehr an Ausfluege in einen Zoo als an den Besuch anderer Kulturen und wir entschieden, dass das fuer uns nicht sein muss! Aehnlich verfuhren wir auch beim Stierkampf welcher anlaesslich des Volksfestes leider auch angesagt war…

Positive kulturelle Erfahrungen: Einladung zur Familie unseres Guides mit Verkostung der diversen lokalen Fruechte und Yuka-kochen und Chicha-Zubereitung (lokales alkoholisches Getraenk aus Yuka - nich soo lecker brrrrr!). Ausserdem noch die Reise nach Limoncocha am Río Napo wo wir trotz unseres unangekuendigten Auftauchens total freundlich von der Familie empfangen und mit einem Dach ueber dem Kopf (viel mehr war es wirklich nicht) versehen wurden.

Ausserdem konnten wir in Limoncocha noch Piranhas angeln (wir zusammen 3 kleine und Servillo unser Gastgeber in der selben Zeit ca. 15 grosse…) und das gebratene Resultat noch am selben Abend verspeisen - lecker! Das absolute highlight dieser Tour nach Limoncocha: ein naechtlicher Bootstrip ueber den verzauberten See mit seinen Millionen leuchtenden Kaefern auf den Schwimmpflanzen welche eine Art natuerliche Uferbeleuchtung bilden - kann man eigentlich nicht beschreiben, muss man gesehen haben! Zwischen den gruenlich leuchtenden Kaefern blitzte dann auch einige Male im Licht der Taschenlampe ein rotes Caimanauge auf - scary!! Einer machte sich dann auch ziemlich geraeuschvoll und unter heftigem Schwanzschlagen aus dem Staub und brachte unseren kleinen Einbaum ganz schoen ins Schaukeln.

Die Rueckkehr in die Zivilisation gestaltete sich dann nicht ganz so einfach und wir mussten noch eine Nacht mehr im lokalen Oelarbeiterhostal verbringen da der Bus aus unerfindlichen Gruenden auch nach 4,5 Stunden Wartens nicht auftauchte… Aber auch ne Erfahrung! Doerfer, die es einfach nicht geben wuerde, wenn dort in der Naehe nicht nach Oel gebohrt wuerde. Alles traegt den Namen irgendeiner Oelfirma und selbst die Ortsschilder lassen gleich erkennen, welcher der Multis hier den Daumen drauf hat… Erschreckende Realitaet aber auch Einkommensquelle wenigstens fuer einige aus der lokalen Bevoelkerung. Als es dann endlich zurueck ging liessen wir die gesamte Oelschiene nochmal Revue passieren: vorbei an Orten wo in der Mitte der Strasse eben nicht ein Rasenstueck sondern eine fette Pipeline ist, die auch manchmal einen Abstecher in die Vorgaerten der Leute macht… Raffinerien am Weg, die nonstop Erdgas verbrennen, einfach weil es weg muss und eh nicht viel wert ist usw.!!

Die letzte Station war dann eine ziemlich deutsche Angelegenheit. Wieviele Leute es doch aus unserem kalten Land nach Ecuador verschlaegt ist immer wieder erstaunlich! Von der Curiquingue Station aus ging es zu Fuss mal wieder durch den Wald (dem maennlichen Teil der Reisegesellschaft wurde dieses langsam aber sicher zu viel ;-)) zu einem ca. 30 m hohen Urwaldriesen, welcher mit einer wackeligen aber angeblich begehbaren Leiter versehen war. Wir also mit Herzklopfen rauf um die wahnsinnig schoene Aussicht ueber die Baumkronen zu geniessen, so weit das Auge reichte, nur Wald - auch sowas gibt es trotz Oelexploration noch!

Vor der Abreise aus Tena konnten wir noch den Hoehepunkt des alljaehrlichen Volksfestes fuer die gesamte Gegend mitnehmen und sind nun ueberzeugt, dass Festumzuege ueberall auf der Welt gleich langweilig sind!!! Erinnerte ein wenig an die DDR zum 1.Mai … fuer die, die dabei waren ;-)

Die letzten Tage haben wir entspannt in Baños verbracht. Wie der Name schon sagt, gibt es dort Baeder. Diese werden aus heissen Vulkanquellen gespeist und wir konnten uns im bis zu 55 Grad heissen Wasser den Dschungeldreck abwaschen und die strapazierten Muskeln entspannen. Von der Stadt und den umliegenden Doerfern hat man super Ausblick auf den nahen Vulkan Tungurahua, welcher 1999 das letzte Mal ausbrach und seitdem nonstop Asche und manchmal auch noch etwas Lava ausspuckt… was kostet in dieser Gegend wohl die Hausratsversicherung??

Jetzt sind wir in Riobamba und damit wieder fast auf 3000m Hoehe mit Blick auf den Chimborazo, den Tungurahua, und den Altar - beeindruckend! Wie ihr euch denken koennt werden wir die naechsten Tage vor allem eines tun: WANDERN und Berge bestaunen!

In diesem Sinne, lasst es euch gut gehen!!

Romy & Heiko

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