Runde zwei!

Posted by Romy & Heiko Sun, 08 Jan 2006 16:45:00 GMT

auf Rubens Pick up // Rubens Pick up
auf Rubens Pick up // Rubens Pick up

Guten Tag allerseits,

als wir nach Wochen in der Sonne eines Morgens aus unruhigen Traeumen erwachten, fanden wir uns in Quito zu dick eingepackten Wesen verwandelt, denn hier ist es kalt und in den Zimmern gibt es keine Heizung … aber fangen wir vorne an.

(Vor-) Weihnachtszeit in Rio Muchacho: die Feiern beginnen 4 Stunden spaeter als angekuendigt. Nach dem Essen stundenlange Gebetgesaenge einiger Frauen. Beifallklatschende Maenner hoffen auf ein schnelles Ende, um sich den Getraenken widmen zu koennen. Einige Damen sind schlauer und oelen ihre Kehlen schon waehrend den Gesaengen mit Zuckerrohrschnaps. In trunkener Laune geschehen nach der Party solche Aktionen wie “ich saege mal einen Baum”. Dieser trifft (natuerlich) auf einen Strommast und es gibt 4 Tage keinen Strom, also auch kein Wasser (weil es aus der Pumpe kommt). Mit Armkraft, Verstand und Landrover hievten wir das Teil wieder hoch und bald konnte wieder geduscht werden.

In Canoa erlebten wir ein weihnachtliches Erdbeben und dachten erst einige Spassvoegel ruetteln am Hostal, konnten den Abend aber noch in aller Ruhe geniessen. Alle anderen Voluntaere feierten Heilig Abend auf der Farm und durften fuers Abendessen, welches es vor lauter Verpeilung erst 24.00 Uhr gab, nochmals Extrageld zahlen… Einige sahen nix davon, da sie bereits hungrig im Bett lagen, da es fuer sie ja um 6.30 Uhr wieder hiess: Staelle etc. saeubern… eine dieser typischen und etwas seltsamen Rio Muchacho Volunteering Stories. Eine zweite ist Ruben, unser Chauffeur, der in Canoa am falschen Platz wartete und somit dafuer sorgte, dass wir einen Tag spaeter auf die Farm kamen (was nicht unbedingt grosse Trauer ausloeste). In der letzten Woche konnten wir ein arbeitspsychologisches Konstrukt leben und erleben, das da “resignative Arbeitszufriedenheit” heisst. Lustig waren die letzten Stunden auf der Farm: Juanita (unsere Koechin) war scharf auf mein Arbeitsshirt (welches eigentlich in den Muell sollte) und fragte wer weiss wie oft Romy, ob sie es fuer Benjamin (ihren Mann) haben kann … Wir wollen uns nicht vorstellen, wie lange sie brauchte, um den Schweinegeruch zu entfernen!

Sylvester gab es Feuer! Puppen, die das alte Jahr symbolisieren, wurden erst geschmueckt und ausgestellt und zu spaeterer Stunde dann feierlich verbrannt (keine Puppen gesehen, die mir aehnlich sahen). Danach gabs auf den Strassen Lat(r)ino Techno mit einem betrunkenen 62-jaehrigen MC, der ultraschlecht aus 28 Boxen hallte. Ich denke, die Party der pyonen in Berlin (http://pyonen.de) war um einiges besser. Mitvolunteer Brandon (fast graduierter Geschichtslehrer aus Conneticut, USA - seine erste Frage: “Welches Land liegt oestlich von Deutschland? Estland oder Russland?”) setzte zum Tanz an und hatte alle Sympathien auf seiner Seite.

Neujahr ging es dann nach Don Juan, welches aus 4 Haeusern besteht - alle beinhalten eine Kneipe bzw./ und einen Shop. Sind fuer 2$ in einer ranzigen Absteige untergekommen, wo Jesusbilder neben 80-iger Jahre Oben-ohne-Bildern hingen, es kein fliessend Wasser gab, das Klo nicht so wirklich funktionierte und die Tauben auf dem Blechdach ueber unserem Bett ein Wettrennen veranstalteten … wieviel Suedamerika will man mehr?

Der letzte Tag am Meer: verlassene Straende und Huetten; Sonne, die nach 5 Minuten nicht mehr auszuhalten war; Wellen, die uns maechtig auf den Boden (der Realitaet) knallen und fluechten liessen, und Jean-Marie, der 62-jaehrige Aussteiger, der uns in seinem Hostel willkommen hiess. Hier gab es die besten Schrimps, das beste Fruehstueck, die beste Musik (Pink Floyd befoerderte auf bekannte schoene Spaehren, sind doch mit jeder Musik Menschen und Erlebnisse verbunden) … und viele Symphatien. Nach dem Fruehstueck fragten er und sein kleiner Sohn, ob wir wirklich schon los muessen … mussten wir, da wir in Quito unser Visum verlaengern wollen, welches nur 90 Tage gueltig ist.

Zwischenstop in Santo Domingo, welches vom Stress- und Verkehrslevel Aehnlichkeiten zu Istanbul aufweist. Der Hauptgrund des Stops dort war anthropologischer Art, denn die Region wird von den Tsáchila-Indianern bevoelkert, die aufgrund ihrer roten exzentrischen Haartracht auch als Colorados bezeichnet werden. Das erste Museum war geschlossen, da der ABM-Indianer in der Stadt war (vermutlich auch noch mit dem Auto…). Beim Zweiten hatten wir mehr Glueck und bekamen eine supernette Fuehrung durch das Museums und Erklaerungen zum Schamanentum, eine kurzen aber geniale musikalischen Hoerprobe etc. … Jedoch wurde die original Indianer Tracht extra fuer uns angezogen und der Herr schien sich nicht so recht wohlzufuehlen in seiner Haut. Die anschliessende Entspanung fand im Hostel statt: nach Monaten mal wieder Filme geschaut.

Der Bus nach Quito sollte 11.30 Uhr losfahren. Es wurde empfohlen, eine Stunde vor Abfahrt dort zu sein, um noch einen Platz in der uns empfohlenen Cooperativa zu bekommen, da Gringobeine hier etwas mehr Freiheit haben, die Busfahrer nicht rasen etc. Unsere Kruecke kam 13.00 Uhr und machten allen Wartenden grosse Augen. Den Busbegleiter musste man beknien, das Gepaeck im Stauraum einzuschliessen und der Busfahrer war ein Partyhengst … so ging es innerhalb von 2.5 Stunden knapp 3000 Meter bergauf - und wieder konnte man beobachten, wie sich die Fahrgaeste (verstandlicherweise) bekreuzigten. Genervt aber mit einem Laecheln in Quito angekommen und fast erfroren, haette man nicht Unterhosen etc. mit.

Im Hostel kreuzten sich viele Wege. Pedro, Mitvolunteer aus Vilcabamba, war die erste Nacht hier und ist mittlerweile verschwunden. Zimmergenosse Max, hat seine Freundin fuer einen Monat in Rio Muchacho gelassen (Quasi unsere Nachfolgerin) und stellt seine Berichte auf folgende Seite: kyax.blogspot.com

Quito macht bei Herbstwetter wenig Laune. Gringos werden zur Zeit vermehrt ueberfallen und wir wollen schnell weg hier sobald das Visum verlaengert ist. Geplant sind Hikes, vielleicht auch einen fuer Anfaenger empfohlenen 5.000er, um uns fit zu machen. Vielleicht gehts auch in den Dschungel … we will see!!

Neblige Gruesse und beste Wuensche von

Heiko & Romy

Comments

  1. Tanja said about 18 hours later:

    Ein neuer Montag morgen in Aberdeen - zwei Meetings die Woche, ein Offshore Trip geplant. Schau mal kurz bei euch vorbei und bin ploetzlich in einer anderen Welt. Also wenn wir das Leben mal als Meer bezeichnen, dann seid ihr echt gut am Wellenreiten. Immer oben auf. Ein bisschen was von dem Gefuehl kommt rueber: “im Jetzt und nirgendwo anders, der Welt in die Arme gefallen und getrieben, Spannung und alle Instinkt-Antennen auf 180 Grad gestellt, damit nichts passiert, und gliech weiter ins Ungewisse. Das was haelt, das Selbst, was war das noch? Manchmal gut, dass Du da bist.” Mensch ihr weckt mein Fernweh! Viel Glueck mit dem Visum und lasst es euch weiter gut gehen. Dicker Knuddel, Tanja

  2. Judith said 1 day later:

    Na das nenn ich ne Überraschung. Bekomme heute zum ersten Mal den Hinweis, dass eine Internetseite von Euch existiert. Werde mich kurz fassen, da mein Leben halb so aufregend verläuft. Dennis und ich gehören im diesseits nun auch zur arbeitenden Bevölkerung und fahren noch ganz gut damit. Und unsere Knirpse Lasse und Jano treibens bunt und bringen Farbe ins Spiel des Lebens. Macht Spaß von Euch zu hören und zu lesen. Grüße und Küsse die Ossis!!

  3. Kymberli said 6 days later:

    I couldn´t have said it better myself! Great summary of our experiences on the farm and it sounds like New Years was a blast. I would have loved to see Heiko just itching to spin the records. No techno for you, eh? Miss you guys but know you are doing an awesome job teaching in the ´selva´ Besos, Rio Muchacho sis/ fellow escapee

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