Oel im Dschungel

Posted by Heiko & Romy Thu, 26 Jan 2006 22:50:00 GMT

Ankunft in Borbòn // Just arrived
Ankunft in Borbòn // Just arrived

Hallo Allerseits!

Hoffen, dass Euch noch keine Winterdepression erfasst hat und geben Euch praeventiv einige sonnige Infos und Bilder mit auf den Weg, der sicherlich nicht so holprig ist wie die Strassen in Ecuadors Norden. In der naechtliche Busschaukelei Richtung Dschungel erschien uns des Oefteren ein Licht - leider waren es weniger geistige Blitze oder Gluehwuermchen als vielmehr die Flammen aus den Schornsteinen der Oelraffinerie. Den Minuspunkt des Tages erhaelt die Firma Texaco fuer saumaessiges Umweltverhalten, sind doch solche Praktiken in westlichen Laendern laengst verboten.

5.30 Uhr Ankunft unseres Nachtbusses in Borbòn. Die Regenzeit ueberschuettete uns mit nassen Gruessen und liess die Vorfreude auf den Dschungeltrip so richtig gross werden. Gluecklicherweise gab es in dem Nest ein Dach, welches nicht allzuviele Loecher hatte und unter dem wir die Nacht beenden bzw. das Dorf beim Aufwachen beobachten konnten … bevor uns im Restaurant gegen 8.30 Uhr zum Fruehstueck ne Portion Reis mit Huhn bzw. Rind + Extraportion Reis angeboten wurde. Wir entschieden uns fuer ein langweiliges Ruehrei. Die Verabredung mit Ami-Freund Max hat geklappt und er stand wirklich vor dem ausgemachten Hostel. Zu unserer Ueberraschung tauchte dann sogar unsere Kontaktperson auf, die uns das Kanu ins Reservat besorgen sollte - haetten wir ja nicht gedacht!

Puenktlich begann die regnerische Kanufahrt nach San Miguel, die vier Stunden in die Tiefe des Dschungels fuehrte, vorbei an signifikant neuen Schoenheiten und Communities, in denen Indios und Schwarze seit einigen (genauer gesagt acht) Jahren in Einklang zu leben scheinen. In den meisten Faellen sind sie jedoch auf verschiedene Doerfer verteilt, aber schlagen sich wenigstens nicht mehr die Koepfe ein. Die Europaeische Union hat hier grandiose Aufbauarbeit geleistet, deutsche Klos und Waschbecken spendiert, die nicht benutzt werden koennen, weil es kein fliessend Wasser gibt und die Spuelung per Eimer Regenwasser erfolgt (wie auch die Dusche). In der Schule, die ohne Schueler ist, weil es schoenere Sachen gibt, wie z.B. rumhaengen, Fussball spielen, im Fluss baden, …, befinden sich Stuehle, fuer die sich so manche Unis bedanken wuerden. Ausserdem hatte der Ort vorher schon eine Schule, welche nicht schlecht zu sein scheint. “Naja, jetzt haben wir eben zwei.” war der Kommentar eines kleinen Maedchens auf die Frage nach der neuen Schule. Glueckwunsch nach Bruessel! Die Menschen hier wollen unabhaengiger von den Amis sein und warten nicht wirklich auf materielle Hilfe aus dem alten Europa.

Trotz erster Verwunderung ueber unser Auftauchen in der Community waren die Bewohner sofort offen und sehrsehr nett. Man ist hier entspannt und den Worten und unseren Eindruecken zur Folge auch recht gluecklich. Der Guide, der mit uns die Route durch den Nationalpark besprochen hat, war am vereinbarten Ort nicht mehr aufzufinden, weil ihm Nachts einfiel, mit dem Kanu in die Stadt zu fahren. Egal, dann eben der Ersatzguide … die unbeschreibliche Schoenheit und Vielfalt dieses Fleckchens Regenwald und der Genuss neuer Fruechte (u.a. Anona) entzog sich unseren Vor-Stellungen. Leise begab man sich auf die Suche nach L-Welsen, Pfeilgiftfroeschen, … - vergeblich. Schade aber trotzdem toll. Alleine Wandern oder sogar uebernachten wurde uns nicht empfohlen, weil es puenktlich um 19.00 Uhr zu regnen (eher schuetten wie aus Eimern) anfing … und nicht mehr aufhoerte bis wir naechsten Morgen wieder ins Boot gestiegen sind. Wir freuten uns auf die angekuendigte Wanderung zum Wasserfall, doch wie schon allzu oft kam es anders … irgendwie schade. Aber trotzdem toll. Denn die Fuehrung durch ein Indiodorf war wie im Film: Die Gringos kommen und werden freundlich empfangen, Mann spielt mit den Kindern waehrend Frau von Maedchenhaenden umfasst wird, weil sie ein kleines Armband um hat. Fuer die Fuehrung wurde um eine Gabe an die community gebeten - also gings mit dem chief des Dorfes zum Laedchen den Fluss runter um zu verhindern, dass er die Touridollars in ALkohol anlegt. Etwas ueberrascht sahen wir, wie der gute Mann ein paar Kilo getrockneten Fisch kaufte… nicht dass man vielleicht am Fluss wohnt und es den in Massen dort gibt??! Nicht fragen ;-)

Wenn wir den Indos auch den Alkohol verwehrten, so haben wir uns doch unseren Teil gegoennt in der wirrigen Annahme, dass man ja als zivilisierter Mensch damit umgehen kann. Ein Trugschluss im Fall der Amis ;-). Das Ergebnis eines Zuckerrohrschnapps-Kartenspielabends konnte man bei der naechtlichen Kanufahrt zurueck in die Stadt “hoeren” als Max unbedingt die Fische fuettern musste. Die Fahrt war nicht nur aufgrund von Max seinen Geraeuschen gruselig, die brachen wie die Wellen auf denen wir zwei Tage spaeter mit dem Board standen. Man fuhr mit 6 Leuten und ner Menge Gepaeck bei Nacht und ohne Licht durch den Dschungel, vorbei an all den Baumstaemmen … Respekt Washington (so der Name unseres Kapitaens - der Fuehrer hiess Jefferson - amerikanische Praesidenten stehen hoch im Kurs, haben aber noch keinen George getroffen).

Der Umweg nach Quito fuehrte uns ins sagenumwogene Mompiche. Dort hatten wir nichts anderes zu tun als Lesen, den weiten Strand entlang wandern, Muscheln suchen und erste Surfversuche unternehmen. Die auf-dem-Brett-steh-Zeit variierte zwischen Zehntelsekunden und einer halben Minute … egal, was zaehlt sind die Hammerwellen und das berauschende Gefuehl auf ihnen zu reiten. Montag wollten wir zurueck nach Quito, doch waren saemtliche Strassen verbarrikadiert. Grund waren die gestiegenen Benzinpreise. Komisch nur, dass die Motoren hier staendig an sind, selbst wenn der Bus erst in einer Stunde abfaehrt … Aber soo schade fanden wir es nicht, noch laenger in Mompiche zu bleiben - es gibt schlimmere Orte zum stranden!

Gestern goennten wir uns einen entspannten Tag in den Thermalquellen von Papallacta. In 3.300m Hoehe von nasser Waerme und dicken alten EcuadorianerInnen umgeben, waren Regen und Kaelte eine willkommende Abwechslung. Der Blick in die Anden war grandios, wie auch das Benehmen unserer amerikanischen Mitbuerger, die doch glatt - obwohl untersagt - mit Bier in die Becken sprangen. Die Forellen der Gegend, die aus einer Aufzuchtanlage stammen, die von der japanischen Regierung finanziert wird, sind zart und lecker …

Heute abend klopfen wir am “Tor zum großen Regenwald” an und hoffen, dass uns Einlass gewaehrt wird.

Bis bald, alles Gute und sonnige Gruesse

Heiko & Romy

1 comment

Runde zwei!

Posted by Romy & Heiko Sun, 08 Jan 2006 16:45:00 GMT

auf Rubens Pick up // Rubens Pick up
auf Rubens Pick up // Rubens Pick up

Guten Tag allerseits,

als wir nach Wochen in der Sonne eines Morgens aus unruhigen Traeumen erwachten, fanden wir uns in Quito zu dick eingepackten Wesen verwandelt, denn hier ist es kalt und in den Zimmern gibt es keine Heizung … aber fangen wir vorne an.

(Vor-) Weihnachtszeit in Rio Muchacho: die Feiern beginnen 4 Stunden spaeter als angekuendigt. Nach dem Essen stundenlange Gebetgesaenge einiger Frauen. Beifallklatschende Maenner hoffen auf ein schnelles Ende, um sich den Getraenken widmen zu koennen. Einige Damen sind schlauer und oelen ihre Kehlen schon waehrend den Gesaengen mit Zuckerrohrschnaps. In trunkener Laune geschehen nach der Party solche Aktionen wie “ich saege mal einen Baum”. Dieser trifft (natuerlich) auf einen Strommast und es gibt 4 Tage keinen Strom, also auch kein Wasser (weil es aus der Pumpe kommt). Mit Armkraft, Verstand und Landrover hievten wir das Teil wieder hoch und bald konnte wieder geduscht werden.

In Canoa erlebten wir ein weihnachtliches Erdbeben und dachten erst einige Spassvoegel ruetteln am Hostal, konnten den Abend aber noch in aller Ruhe geniessen. Alle anderen Voluntaere feierten Heilig Abend auf der Farm und durften fuers Abendessen, welches es vor lauter Verpeilung erst 24.00 Uhr gab, nochmals Extrageld zahlen… Einige sahen nix davon, da sie bereits hungrig im Bett lagen, da es fuer sie ja um 6.30 Uhr wieder hiess: Staelle etc. saeubern… eine dieser typischen und etwas seltsamen Rio Muchacho Volunteering Stories. Eine zweite ist Ruben, unser Chauffeur, der in Canoa am falschen Platz wartete und somit dafuer sorgte, dass wir einen Tag spaeter auf die Farm kamen (was nicht unbedingt grosse Trauer ausloeste). In der letzten Woche konnten wir ein arbeitspsychologisches Konstrukt leben und erleben, das da “resignative Arbeitszufriedenheit” heisst. Lustig waren die letzten Stunden auf der Farm: Juanita (unsere Koechin) war scharf auf mein Arbeitsshirt (welches eigentlich in den Muell sollte) und fragte wer weiss wie oft Romy, ob sie es fuer Benjamin (ihren Mann) haben kann … Wir wollen uns nicht vorstellen, wie lange sie brauchte, um den Schweinegeruch zu entfernen!

Sylvester gab es Feuer! Puppen, die das alte Jahr symbolisieren, wurden erst geschmueckt und ausgestellt und zu spaeterer Stunde dann feierlich verbrannt (keine Puppen gesehen, die mir aehnlich sahen). Danach gabs auf den Strassen Lat(r)ino Techno mit einem betrunkenen 62-jaehrigen MC, der ultraschlecht aus 28 Boxen hallte. Ich denke, die Party der pyonen in Berlin (http://pyonen.de) war um einiges besser. Mitvolunteer Brandon (fast graduierter Geschichtslehrer aus Conneticut, USA - seine erste Frage: “Welches Land liegt oestlich von Deutschland? Estland oder Russland?”) setzte zum Tanz an und hatte alle Sympathien auf seiner Seite.

Neujahr ging es dann nach Don Juan, welches aus 4 Haeusern besteht - alle beinhalten eine Kneipe bzw./ und einen Shop. Sind fuer 2$ in einer ranzigen Absteige untergekommen, wo Jesusbilder neben 80-iger Jahre Oben-ohne-Bildern hingen, es kein fliessend Wasser gab, das Klo nicht so wirklich funktionierte und die Tauben auf dem Blechdach ueber unserem Bett ein Wettrennen veranstalteten … wieviel Suedamerika will man mehr?

Der letzte Tag am Meer: verlassene Straende und Huetten; Sonne, die nach 5 Minuten nicht mehr auszuhalten war; Wellen, die uns maechtig auf den Boden (der Realitaet) knallen und fluechten liessen, und Jean-Marie, der 62-jaehrige Aussteiger, der uns in seinem Hostel willkommen hiess. Hier gab es die besten Schrimps, das beste Fruehstueck, die beste Musik (Pink Floyd befoerderte auf bekannte schoene Spaehren, sind doch mit jeder Musik Menschen und Erlebnisse verbunden) … und viele Symphatien. Nach dem Fruehstueck fragten er und sein kleiner Sohn, ob wir wirklich schon los muessen … mussten wir, da wir in Quito unser Visum verlaengern wollen, welches nur 90 Tage gueltig ist.

Zwischenstop in Santo Domingo, welches vom Stress- und Verkehrslevel Aehnlichkeiten zu Istanbul aufweist. Der Hauptgrund des Stops dort war anthropologischer Art, denn die Region wird von den Tsáchila-Indianern bevoelkert, die aufgrund ihrer roten exzentrischen Haartracht auch als Colorados bezeichnet werden. Das erste Museum war geschlossen, da der ABM-Indianer in der Stadt war (vermutlich auch noch mit dem Auto…). Beim Zweiten hatten wir mehr Glueck und bekamen eine supernette Fuehrung durch das Museums und Erklaerungen zum Schamanentum, eine kurzen aber geniale musikalischen Hoerprobe etc. … Jedoch wurde die original Indianer Tracht extra fuer uns angezogen und der Herr schien sich nicht so recht wohlzufuehlen in seiner Haut. Die anschliessende Entspanung fand im Hostel statt: nach Monaten mal wieder Filme geschaut.

Der Bus nach Quito sollte 11.30 Uhr losfahren. Es wurde empfohlen, eine Stunde vor Abfahrt dort zu sein, um noch einen Platz in der uns empfohlenen Cooperativa zu bekommen, da Gringobeine hier etwas mehr Freiheit haben, die Busfahrer nicht rasen etc. Unsere Kruecke kam 13.00 Uhr und machten allen Wartenden grosse Augen. Den Busbegleiter musste man beknien, das Gepaeck im Stauraum einzuschliessen und der Busfahrer war ein Partyhengst … so ging es innerhalb von 2.5 Stunden knapp 3000 Meter bergauf - und wieder konnte man beobachten, wie sich die Fahrgaeste (verstandlicherweise) bekreuzigten. Genervt aber mit einem Laecheln in Quito angekommen und fast erfroren, haette man nicht Unterhosen etc. mit.

Im Hostel kreuzten sich viele Wege. Pedro, Mitvolunteer aus Vilcabamba, war die erste Nacht hier und ist mittlerweile verschwunden. Zimmergenosse Max, hat seine Freundin fuer einen Monat in Rio Muchacho gelassen (Quasi unsere Nachfolgerin) und stellt seine Berichte auf folgende Seite: kyax.blogspot.com

Quito macht bei Herbstwetter wenig Laune. Gringos werden zur Zeit vermehrt ueberfallen und wir wollen schnell weg hier sobald das Visum verlaengert ist. Geplant sind Hikes, vielleicht auch einen fuer Anfaenger empfohlenen 5.000er, um uns fit zu machen. Vielleicht gehts auch in den Dschungel … we will see!!

Neblige Gruesse und beste Wuensche von

Heiko & Romy

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