Unsere kleine Farm

Posted by Romy & Heiko Wed, 21 Dec 2005 21:26:00 GMT

Weihnachtsdeko in Bahía - X-mas decoration ecuadorian style
Weihnachtsdeko in Bahía - X-mas decoration ecuadorian style

Hallo zusammen! Endlich haben wir es mal wieder geschafft, uns einige Minuten Internet zu erkaufen, um Euch ueber den neuesten Stand der Dinge zu informieren! Viel gibt es zu erzaehlen seit dem letzten Bericht, jedoch werden wir uns etwas kuerzer fassen damit wir auch zu Hause noch einiges zu erzaehlen haben.

Nachdem wir vor inzwischen fast vier Wochen Vilcabamba im Sueden verlassen hatten ging es mal wieder mit dem Bus in Richtung Nordwesten da wir nach den ganzen Bergen Lust auf Strand & Meer bekommen hatten. Der Weg fuehrte mal wieder durch kurvenreiches und teilweise wuestenartig trockenes Gebiet, um dann wieder an gruenen Wiesen und Unmengen von Bananen- und Zuckerrohrplantagen vorbeizufuehren. Der Blick aus dem Fenster aenderte sich mit jeder Biegung und wurde nur von gelegentlich zusteigenden Fahrgaesten in das Businnere gelenkt. Besonders zu nennen waere hier ein suesser Opa mit seinem Mega-Hahn unter dem Arm - ob es zum Hahnenkampf (sehr tyisch in Ermangelung von genuegend Stieren) oder in die Suppe ging bleibt fuer immer im Dunkeln, auf jeden Fall machte das Ding ganz schoen Laerm! Zwischenstop in Alamor einem kleinen Nest immernoch in den Bergen, wo ein ganz besonderes kulinarisches Erlebnis in meiner Suppe zum Abendessen wartete: aus der Schuessel schauten doch tatsaechlich zwei Huehnerbeine mit Krallen und Sporen - naja man ist ja als alter Ossi einiges gewoehnt und hat sich eben nur die Bruehe schmecken lassen ;-). Derartig gestaerkt ging es dann am naechsten Tag nach Puyango in einen von weltweit insgesamt drei versteinerten Waeldern. Schon Wahnsinn, wie diese riesigen Baeume vor Millionen von Jahren von Lava ueberrollt und eingeschlossen wurden. Das Gebiet wurde erst vor 20 Jahren entdeckt und ist aus Mangel an Interesse noch nicht vollstaendig untersucht, aber man erwartet, auch versteinerte Dinosaurier zu finden - ob die dann auch in die Suppe kommen??! Der 8km - Marsch zurueck zur Strasse vom Wald aehnelte dann einer Durchquerung der Wueste Gobi: Sonne senkrecht von oben und so um die 37 Grad, Geier kreisten am Himmel und warteten nur darauf, dass einer von uns umkippt und sie sich ueber Augen und andere Weichteile hermachen koennen… Aber die rettende Strasse mit dem Laerm der vorbeifahrenden Busse tauchte dann irgendwann doch am Horizont auf!

Weiter gings nach Guayaquil. Von der Stadt hatten wir uns nach Berichten anderer und des Reisefuehres nichts als ne Menge Kriminalitaet erwartet und wurden darum total ueberrascht!! In den letzten Jahren hat sich dort einiges getan und die Innenstadt, Strandpromenade und auch die Freundlichkeit der Leute koennen es mit Quito, der Konkurrenzstadt, durchaus aufnehmen! Es gibt sogar inmitten der Stadt einen Park mit Riesenechsen - Erinnerungen an Galapagos! Der Abendspaziergang endete im Kino, weil wir uns dachten, dass dies wohl erstmal die letzte Moeglichkeit fuer solche Vergnuegungen sein wuerde. Auf die Frage, ob der ausgewaehlte denn auch ein amerikanischer Film sei meinte die Dame an der Kasse, dass dem so sei und dass er englisch mit spanischen Untertiteln sei. Wir also rein. Leider erwies sich nach den ersten fuenf unglaeubig staunenden Minuten der Film als ein russischer mit spanischen Untertiteln ;-)) Sehr lustig! Heiko also seine alten Russischkenntnisse und ich meine Spanischlessons hervorgekramt und los gings! Mit Stolz koennen wir behaupten, die grobe Handlung verstanden zu haben, wenn auch einige Feinheiten der Dialoge sicher verlorengingen. In der Frueh hiess es dann endlich: “Auf an die Kueste!!”

Das Wochenende wurde in Montañita verbracht. Dort fuehlt man sich wie in den Prototypen eines Surferdorfes versetzt. Diejenigen ohne Waschbrettbauch fuehlten sich sofort diskriminiert und wollten auch am Strand das Shirt nicht so recht luepfen… Aber man konnte sich gut ueber die aufgeblaehten Typis lustig machen, die da so langflanierten! Teilweise konnten sie dann nichtmal wirklich surfen und waren unseres Spottes gewiss! Nicht soo begeistert von der Atmosphaere dieses Doerfchens mit mehr Touris und Surfern als Einheimischen machten wir uns auf nach Bahía de Caraquez von wo aus wir die Reise zu unserem Volunteering in Río Muchacho antreten wollten. Hat auch alles gut geklappt und nach einer Tour durch die Oeko-City (hier wird sogar Muell getrennt und statt Taxis kann man Trikes nehmen die stark an chinesische Rikschahs erinnern) ging es dann tatsaechlich auf die Farm!

Dort wurden wir von dem Quietschen der Schweine und dem Geschrei von Haehnen begruesst, ausserdem von Dario dem etwas esoterisch angehauchten Besitzer nebst seiner neuseelaendischen Freundin, die zum Glueck oefter im Office als auf der Farm ist, da man bei ihr schonmal “Ueberstunden” arbeiten darf. Der erste Eindruck war wie bei “unsere kleine Farm” im Fernsehen. Alle sind lieb zueinander und jeder kriegt was er braucht, es gibt gutes vegetarisches Essen aus eigenem Anbau und alle sind gluecklich. Nach nunmehr fast drei Wochen dort haben wir einen kleinen Einblick hinter die Kulissen und wissen neben all den guten Sachen auch um die schlechte Zahlungsmoral der Besitzer was Unzufriedenheit der Mitarbeiter hervorruft, welche sich dann in Abwesenheit zeigt und sich dann auch in teilweise unzureichender Pflege der Tiere niederschlaegt… diese kann man als Volunteer nicht immer kompensieren, da man ja nicht alles weiss, was so ein Pferd, Schwein, Meerschwein (nein, auch die werden nicht gegessen), oder Kuh so alles braucht… Ausserdem ist auch die Tierwelt nicht so ganz heil. Wiederholte Uebergriffe eines Schweines auf Huehner wurden von uns live beobachtet!! Das Ding isst die Huehner doch echt mit Fuessen und Federn komplett auf! Man holt sich eben was man kriegen kann…

Aber im grossen und ganzen ist der Ansatz der Finca super, nur an der Ausfuehrung mangelt es (wie so oft in Ecuador) noch etwas! Aber die findigen Psychologen haben schon den Entwurf fuer einen Volunteer-Evaluationsfragebogen im Kopf, welcher Verbesserungsvorschlaege sammeln soll, die dann eventuell bei den Leuten dort Gehoer finden werden.

Gut ist, dass man jede Woche eine andere morgendliche Pflicht bekommt. Heiko fing bei den Schweinen an, die ich dann uebernommen habe, jetzt habe ich Meerschweinchen und er Pferde u Kuehe. Jedesmal das gleiche Schema: Von 6.45 Uhr bis 7.30 wird gefuettert, gesaeubert und gestreut was das Zeug haelt. Teilweise sehr anstrengend, teilweise auch sehr stinkend, manchmal extrem lustig wenn man in die Gesichter der Meerschweinchen schaut und die Ferkel mal wieder abgehauen sind und immer anders als man es sich vorstellt ;-)) Zum Beispiel Gras fuer die Meerschweinchen fuettern klingt niedlich, aber uneingeschraenkte Niedlichkeit is nicht, weil im messerscharfen Gras Unmengen von Zecken jeden Morgen auf frisches Blut warten ;-)). Aber es macht trotz allem Spass und Training braucht man nach so einem arbeitsreichen Tag auf der finca wirklich nicht mehr!! Nach der Morgenduty gibts Obstfruehstueck und dann gehts bis zum Mittag aufs Feld: saen, pflanzen, hacken, graben was das Zeug haelt!! Nachmittags kuemmern wir uns dann um die Fertigstellung eines Gartens fuer medizinische Kraeuter u Pflanzen inclusive Schilder und Verwendungszweck welcher fuer die lokale Schulausbildung und fuer die Touris als Rundgang dienen soll. Ihr seht also, es gibt viel zu tun. Abends wird dann noch etwas Spanisch gelernt und gegen halb neun gehen dann auch schon die Lichter aus - man ist einfach zu fertig!! Krasser Tagesrhythmus was? So, jetzt ist es doch ein ellenlanger Bericht geworden, aber ihr habt ja Zeit ueber Weihnachten oder?? In diesem Sinne wuenschen wir beide euch ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und keinen Streit unterm Baum!! Ausserdem ein gutes Ende des alten und einen nicht allzu traumatischen Beginn des neuen Jahres!! Lasst es ordentlich krachen, aber nicht zu doll!! Wir nehmen einen Cocktail am Strand auf euch!!!!

Bis bald, Romy & Heiko

Comments

  1. Nadine & Christian said 1 day later:

    Ihr lieben fleissigen Leute! Vielen Dank fuer Eure sehr unterhaltsamen Dschungel-Stories! Sie loesen immer sehr neidvolles Stoehnen bei uns aus;-) Voellig nicht nachvollziehbar diese so ganz andere Welt fuer uns grossstadtliebende Menschlein! Wir stehen hier voll im Trott: Diplomarbeit steht kurz vor ihrer Vollendung, der Weihnachtstress hat uns auch eingeholt und ich stuertze mich ab Mitte Januar mal ins Arbeitsleben-jippie! Also im Groben alles schoen und gut! Denkt beim Cocktail an uns und lasst es Euch weiter ganz doll gut gehen;-) Seid ganz lieb gegruest und habt Euch lieb; de TIGERS!!!

  2. tanja said 14 days later:

    Hi ihr zwei Suessen, danke fuer die lieben Weihnachtsgruesse! Eure Weihnachts-Huehnersuppe hoert sich ja lecker an, erinnert mich ein wenig an meinen Insektenteller in Berlin, der ist allerdings schon ein wenig laenger her. Das sind ja richtig tolle Sachen, die ihr da lernt, melken und pflanzen und Verteidigung gegen fleischfressende Schweine… Jetzt mal ehrlich, wenn ich eines Tages meine Farm habe, koennt ihr umsonst da wohnen, wenn ihr mir das dann alles beibringt (o; Was sonst noch? Waehrend ihr eure Cocktails am Strand schnaboliert habt, sind Gero und ich rodeln gewesen. Die Erwachsenen waren die schlimmsten auf der Rodelbahn, vor allem die Mamis und Papis die mit einem Kind als Alibi da aufkreuzten, um dann die ganze Zeit selber auf’m Schlitten die Pisten runter zu sausen (Weg da! Platz da! Achtung… aahhh!). Liebe Gruesse ans andere Ende der Welt, jetzt wieder aus Schottland. Tanja

(leave url/email »)